Tablet, auf dem Lungenröntgen angeschaut wird - Lungenkrebsfrüherkennung Symbolbild

Ein Blick hinter die Kulissen der größten TBC-Station des Landes

Welt-Tuberkulose-Tag: Spezialisierte Behandlung am Standort Penzing der Klinik Ottakring

Tuberkulose ist nach wie vor die tödlichste Infektionskrankheit der Welt: Jährlich sterben rund 1,25 Millionen Menschen daran, obwohl die Krankheit grundsätzlich gut behandelbar ist. Am Standort Penzing der Klinik Ottakring befindet sich mit 21 Betten und einer spezialisierten Ambulanz die größte Tuberkulose-Station Österreichs. Jährlich werden dort rund 120 Patient*innen stationär und ambulant betreut.

Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März haben wir mit Simon Daller, Facharzt an der Abteilung für Atemwegs- und Lungenkrankheiten am Standort Penzing, über Behandlungsmöglichkeiten und die Situation in Österreich gesprochen.

Wie häufig kommt Tuberkulose in Österreich vor?
Österreichweit erkranken jährlich etwa 420 Menschen an Tuberkulose. Am Standort Penzing der Klinik Ottakring betreuen wir mehr als 120 Patient*innen pro Jahr – sowohl stationär als auch ambulant. Die Erfolgsaussichten sind sehr gut: Über 95 Prozent der Betroffenen können geheilt werden.

Wie erkennt man Tuberkulose, welche Symptome sind typisch?
Ausgelöst wird die Krankheit durch sogenannte Mykobakterien. Meist befallen sie die Lunge, grundsätzlich können aber fast alle Organe betroffen sein. Die Symptome sind oft unspezifisch und ähneln vielen anderen Erkrankungen. Typisch für die Lungentuberkulose sind ein länger anhaltender Husten, Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß. Da die Krankheit in Österreich relativ selten ist, denken Ärzt*innen bei diesen Symptomen oft nicht sofort an Tuberkulose. Unbehandelt kann sie jedoch tödlich verlaufen.

Wer hat ein besonders hohes Risiko zu erkranken?
Etwa ein Viertel der Weltbevölkerung trägt die Bakterien latent in sich, aber in rund 90 Prozent dieser Fälle bricht die Krankheit nie aus. Besonders gefährdet Reaktivierung einer latenten Tuberkulose sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie Personen aus Ländern mit hohem Infektionsrisiko. Rund 95 Prozent der Erkrankungen treten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf.

Wie wird Tuberkulose übertragen?
Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich über Aerosole in der Luft, etwa beim Husten, aber auch beim Sprechen, Lachen oder Singen. Meist ist ein enger Kontakt mit einer infizierten Person über mehrere Stunden notwendig.

Welche Formen der Erkrankung gibt es?
Am häufigsten tritt die sogenannte offene, also ansteckende Lungentuberkulose auf. Daneben gibt es auch geschlossene, nicht ansteckende Formen der Erkrankung – sowohl in der Lunge als auch in anderen Organen. Mittlerweile gibt es auch einige resistente Formen der Tuberkulose, bei denen die gängigen Medikamente nicht zum Erfolg führen. Im Herbst letzten Jahres gelang am Standort Penzing die erfolgreiche Behandlung solch einer resistenten Form (XDR-Tuberkulose).

Wie wird Tuberkulose behandelt?
Für die Behandlung der nicht-resistenten Tuberkulose stehen spezielle Antibiotika zur Verfügung. Dabei ist eine Kombination aus 4 Wirkstoffen notwendig, die mindestens 6 Monate lang eingenommen werden müssen, damit die Krankheit vollständig ausheilt.

Wie verläuft die Erkrankung und wie lange sind Patient*innen ansteckend?
Bei einer offenen Tuberkulose müssen Erkrankte zunächst isoliert und meist stationär aufgenommen werden. Nach rund 2 bis 4 Wochen Therapie ist die Krankheit in den meisten Fällen nicht mehr ansteckend, sodass eine Entlassung aus dem Krankenhaus möglich ist.

Welche Herausforderungen gibt es im Umgang mit der Krankheit?
Ein großes Thema ist nach wie vor die Stigmatisierung von Tuberkulose-Patient*innen. Viele Menschen sehen die Krankheit noch immer als Problem sozial benachteiligter Gruppen, und die Angst vor einer Ansteckung ist groß. Zudem handelt es sich um eine meldepflichtige Erkrankung, bei der auch das Umfeld der Betroffenen untersucht wird.

Heilt Tuberkulose immer vollständig aus?
In vielen Fällen heilt die Krankheit vollständig aus. Manchmal können jedoch Narben in der Lunge zurückbleiben, die die Lungenfunktion beeinträchtigen und das Risiko für Atembeschwerden oder weitere Infektionen erhöhen. In solchen Fällen ist die weitere pneumologische Betreuung essentiell.​​